Moskau will uns den Abschied leicht machen. Mal wieder regnet es ohne Pause. Von unserem kleiner Rundgang am Vormittag endeten wir mal wieder nass im Hostel bei einer Tasse Tee. Den örtlichen Supermarkt haben wir dann nochmal aufgesucht um das notwendigste für die Reise zur besorgen. Wir wollen zwar das meiste direkt am Bahnsteig von den ‘Babuschkas’ kaufen, aber ein paar Sachen will man ja dabei haben. Schließlich sind wir fast 4 Tage im Zug! Und was wenn wir nix am Bahnsteig bekommen? Also Tütensuppen, Müsliriegel, Kekse, Wasser und noch einiges anderes eingekauft. Fast einen Beutel voll Krams. Ich befürchte wir werden fast alles bis Irkutsk schleppen.
Mit der Metro geht es dann zum Jaroslawer Bahnhof. Wie es sich für Deutsche gehört viel zu früh. Naja wir mussten unser Zimmer im Hostel um 12:00 räumen und unser Zug fährt halt erst in 2 Stunden. Die Stimmung im Jaroslawer Bahnhof ist merkwürdig. Eine Mischung aus alter Bahnhofshallo und neu darauf gesetzter Wartehalle die wie ein Flughafen aussieht. 100te Leute aller Nationen warten hier auf ihre Züge. Familien, Einzelreisende, Backpacker, Soldaten. Im Hintergrund hört man die Bahnhofsdurchsagen und Klaviermusik. Moment!? Da steht ein richtiger Flügel und da sitzt auch wirklich einer dran. Wahrhaftig spielt jemand Live in der Wartehallte des Jaroslawer Bahnhofs Klaviermusik. Wow! Gänsehaut-Stimmung wenn der Einsame Klavierspieler in der lauten Halle einen Walzer spielt. Was eine Verabschiedung für uns aus Moskau. Nur wenige beachten den Klavierspieler. Einige stehen direkt am Flügel. Daneben ein etwas grimmig schauender Wachmann. Der Rest der Personen in der Halle scheinen den Klavierspieler kaum zu beachten.

Noch etwas zu Mittag essen, noch was für den Zug kaufen und dann ist es auch schon halb 2. Auf der, hinter einigen Kiosken versteckten, Anzeige-Tafel wird für unser Zug 2 nach Wladivostock angezeigt das dieser auf Gleis 2 bereitsteht. Also alle Sachen gepackt und nix wie hin. Dafür müssen wir das Gebäude verlassen und durch den Regen zum Bahnsteig 2. Dort steht er dann auch. Mit Weiss, Blau, roten Wagen. Der ,RUSSIA’. Der längste durchlaufende Zug der Welt. Von Moskau nach Wladivostok. Im strömenden Regen noch schnell einige Fotos machen. Unser Wagen 4 ist der 3 Wagen hinter der Lok. Davor nur 2 Packwagen. Die Fahrkarte dem Schaffner zeigen und schon sind wir drin. Das Abteil 5 ist schnell gefunden. Alles wirkt deutlich größer und angenehmer als in dem Zug von Warschau nach Moskau. Das obere Bett ist ausgeklappt unten ist eine Sitzbank für 3 Personen und das auf jeder Seite. Vor dem Fenster ist ein großer Tisch. Unsere Abteilnachbarn auf Zeit sind auch schon da. Keine Russen wie gehofft. Ebenfalls wie wir zwei Backpacker. Unsere Rucksäcke verstauen wir unter den Sitzen. Den Rest verstreuen wir im Abteil. Es ist gemütlich im Abteil. Jetzt kann die Reise losgehen.

Der Waggonschaffner ist diesmal männlich und etwas schlecht gelaunt. Den Versuch unserer deutsch-englischen Gemeinschaft auf Zeit die Funktionen des Abteils oder der Betten zu erklären bricht er schnell ab. Danach scheint er auch einen großen Bogen, soweit das in dem Waggon überhaupt möglich ist, um unser Abteil zu machen.

Für die Zugfahrt ist es großartiges Wetter. Das Abteil ist angenehm geheizt. Die erste Tasse heisser Tee aus dem Samowar des Wagens steht vor mir. Draußen ist es neblig, trüb. Regentropfen sind an der Scheibe. Wir fahren durch dichten Wald. Ab und zu unterbrochen von Bahnsteigen. An jedem zweiten Bahnsteig sieht man auch mal eine Ortschaft oder zumindest mehrere Häuser in der Nähe stehen. Trotzdem sieht es hier anders aus als von Weißrussland kommend aus. Von dort waren bis kurz von Moskau Holzhütten zu sehen bis irgendwann die Städtische Bebbauung von Moskau begann. Nun kommen noch recht lange größere Strassen, vereinzelte Plattenbauten und kleinere Häuser.

Mit den Engländer kommen wir schnell ins Gespräch (auch wenn ich wieder Feststellen muss wie schlecht mein eigentlich Englisch ist. Aber deutlich besser als mein russisch!). Die beiden sind bis St. Petersburg geflogen und sind heute mit dem SAPSAN nach Moskau gekommen. Nun fahren sie bis Jekatarinenburg. Später wollen Sie wie wir über Irkutsk und die Mongolei nach Peking.

Unser erster Halt ist nach 210 km und 3 Stunden ,Vladimir’. Rund 20 Minuten Aufenthalt. Draußen sieht es immer noch regnerisch aus und der Bahnhof ist eine einzige Betonwüste. Trotzdem muss dieser erste Halt genutzt werden. Also raus! Auf den Bahnsteig bin ich etwas enttäuscht. Keine Babuschkas warten auf unseren Zug. Nur ein stationärer Kiosk steht auf dem Bahnsteig. Klar warum sollten auch normale Fahrgäste so kurz hinter Moskau schon was Kaufen wollen. Unser Engländer nutzt die Chance seinen Hunger nach einer Wurst an dem Kiosk zu stillen. Wir beiden schauen auf den einfahrenden SAPSAN. Die russische Version des deutschen ICE 3. erstaunt sind wir auch dass unsere Lok schon hier gewechselt werden.

Die Funktionen des Abteils sind nach einer Weile ausgekundschaftet. Für die unteren beiden Betten wird einfach die Rückenlehne heruntergeklappt und fertig ist das Bett. In den Kopfteilen verstecken sich links und rechts Fächer zum Verstauen der Habseligkeiten und in der Mitte eine Handtuchhalter samt frischem Handtuch. Bei den oberen Betten sieht es ähnlich aus. Über der Schiebetür zum Gang hängt ein Flachbildfernseher. Unsere englischen Abteil Nachbarn müssen ihn natürlich ausprobieren. Zum Glück gibt es nur 3 Programme die alle Schnee zeigen. Der Blick aus dem Fenster ist Unterhaltungprogramm genug! In den Rückenlehnen der Sitze ist jeweils noch ein Leselicht sowie einen Kopfhöhrer Anschluss angebracht. Sogar eine eigene 220V Steckdose bietet unser Abteil! Die ganze sorgen um Strommangel aller elektrischen Geräte war umsonst.

Das Abendessen bestreiten wir mit unseren vielen mitgebrachten Dingen. Ich hatte mir zum Beispiel am Jaroslawer Bahnhof noch ein mit Käse überbackenen Blätterteig und ein weiteres Brötchen, das wie sich herausstellt mit einer Wurst gefüllt ist, besorgt. Beides sehr lecker.
Nach unserem zweiten Halt in Nizhnji Novogrod wird es langsam Zeit fürs Bett und unsere erste Nacht in der Transsib. Der nächste Tag wird sicher ereignisreich, aber auch nur 22 Stunden haben